Hartmut Ulrich über den Wandel der BikeMedia

Haben Fachverlage eine Zukunft? Kurze Antwort: Nicht, wenn sie weitermachen wie bisher. Es genügt nicht mehr, „bessere“ Zeitschriften zu machen oder „besser“ zu verkaufen – auch wenn sich damit noch erhebliches ungenutztes Potenzial heben lässt. Das ist der erste Schritt im Transformationsprozess, und BikeMedia geht ihn erfolgreich seit zwei Jahren: Komplexität reduzieren, Prozesse hinterfragen, Werkzeuge und IT modernisieren, automatisieren wo möglich. Das hilft uns, im Wettbewerb nicht an Boden zu verlieren. Im Gegenteil: RennRad und bikesport e-mtb wachsen sogar, gegen den Trend. Neu gedacht werden auch ElektroRad und aktiv Radfahren, um dem starken E-Bike-Trend besser gerecht zu werden. Doch auf Dauer wird das nicht genügen, dazu verändert sich das Mediennutzungsverhalten zu stark. Zu viele kostenlose Kanäle konkurrieren um endliche Mediennutzungszeiten. Soziale Medien und deren geschlossene Gruppen kosten ebenso zahlende Leser wie clevere Bewegtbildformate auf Youtube oder Instagram – und nicht zuletzt investieren immer mehr Hersteller lieber in eigene Inhalte statt in klassische Werbung.

Schritt zwei im Transformationsprozess der BikeMedia führt also zur Frage, was man Menschen bieten muss, das ihnen zehn oder 15 Euro im Monat wert ist. Spotify, netflix oder amazon prime machen vor, dass das grundsätzlich möglich ist - einfache Flatrates statt komplizierter Einzelabrechnungen. Die Idee: Emotion ist viel stärker als Produkt, Zugehörigkeitsgefühl schlägt Kauferlebnis. Wir wollen die emotionale Heimat bauen für Menschen, bei denen das Fahrrad eine besondere Rolle spielt – als Sportgerät, als Glücks- und Spaßmaschine, als Urlaubsidee, als Lösung für eine überfällige Verkehrswende. Dass das hervorragend funktionieren kann, beweisen rasch wachsende Plattformen wie Zwift oder Strava (für Radsportler) oder komoot (für Touren- und Trekkingradler): Sie bieten ihren Mitgliedern ein echtes Zugehörigkeitsgefühl über Länder- und Sprachgrenzen hinweg und vernetzen spielerisch Gleichgesinnte in ganzer Welt. In eine solche digital vernetzte Community lässt sich allerhand hinein verkaufen – Werbung, Produkte, vielleicht sogar Medienangebote und Magazine. Den Kristallisationskern für diesen geplanten Wandel bildet hierfür der Radclub: neu gedacht, neu gemacht und mit Herz und Ideen wiederbelebt.

Ist es möglich, die skizzierte Transformation in drei Jahren zu vollziehen? Nein: Alle Verlage, die einen vergleichbaren Wandel bereits gemeistert haben, (Haufe zum Beispiel oder Ebner), haben zwischen zehn und 15 Jahren gebraucht und haben in dieser Zeit kontinuierlich in Werkzeuge, Teamentwicklung und Kultur investiert. Die Weichen aber sind gestellt.

Wo also wird BikeMedia Ende 2020 stehen? Wir werden noch immer ein Fachverlag sein. Es wird noch immer gedruckte Magazine geben. Aber wir werden sehr viel stärker vernetzt sein. Mehr kooperieren. Die technischen und strukturellen Grundlagen geschaffen haben für die Plattform-Community, zu der wir werden wollen. Ein lohnendes Ziel: Weil wir das Fahrrad lieben. In all seinen Facetten.

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