Vom Rennrad-Fahrer zum RennRad-Chefredakteur

Er lebte für den Rennradsport – und zeitweise auch von ihm. Als Soldat der Sportförderkompanie der Bundeswehr. Er fuhr bis zu 60 Rennen pro Jahr, auf der ganzen Welt. Rundfahrtsieg, Bundesliga-Teamsieg, Weltcup-Etappensieg: David Binnig hat auf dem Rennrad viel erreicht. „Irgendwie hat sich bei der RennRad dann wohl ein Kreis geschlossen“, sagt er heute. Auch wenn dies eher Schicksal als Plan war. Nachdem er seine Radsport-Karriere aus gesundheitlichen Gründen früh beenden musste, zog er nach Heidelberg und absolvierte dort ein Magisterstudium der Sportwissenschaft und der Germanistik. Später, nach einer achtmonatigen Weltreise, folgte ein Master in Journalismus, und parallel dazu eine Ausbildung an der renommierten Deutschen Journalistenschule in München. Bald folgte der erste Job bei der Wochenzeitschrift DIE ZEIT in Hamburg. „Das war, was mich interessierte: die Themen Wissenschaft, Wirtschaft, und Politik.“ Doch später, als freier Journalist, stieß er auf eine Ausschreibung der BVA BikeMedia, in der freie Autoren für gelegentliche Rad-Reisegeschichten gesucht wurden. „Ich habe mich gemeldet, bekam einen Anruf und man lud mich zu einem Vorstellungsgespräch für eine Redakteursstelle ein.“ Nach 2,5 Jahren stieg er zum Chefredakteur auf. Und änderte alles. Optisch und vor allem inhaltlich: Die RennRad bekam ein völlig neues Layout – und ein klares Profil. Sie bekam USPs. „Es war ein Risiko“, sagt er heute. „Aber wir mussten die Qualität nach oben bringen und wir mussten Themen besetzen, in denen die Konkurrenz Schwächen hat.“ Es hat funktioniert. Seit dem Relaunch steigen die Verkaufszahlen des Magazins konstant im zweistelligen Bereich. Zudem wurden mehrere Apps entwickelt und die digitale Transformation vorangetrieben. Entgegen allen Branchentrends legte der Titel rund 20% in 2018 zu. Durch die verschiedenen Maßnahmen wurde zudem eine stetig wachsende Community um die RennRad aufgebaut, welche zukünftig mit besonderen Angeboten weiter in den Fokus rückt. „Im Special-Interest-Bereich kann so etwas nur funktionieren, wenn man das Thema lebt. Nur dann kann man die richtigen Themen setzen, nur dann ist man authentisch.“ Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur, Politik, Geschichte zählen heute noch zu David Binnigs Hobbys. Sein Beruf dreht sich – auch wenn er heute keine 25.000 Trainingskilometer mehr pro Jahr erreicht – um dieselbe Leidenschaft wie in seiner Jugend: das Rennrad.

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